Zu schnell für diese Welt?

Ein Rad wie das Packster 60 Touring HS von Riese & Müller könnte eine der Lösungen sein, um die Mobilitätswende mitzugestalten. Leider behandelt es der Gesetzgeber so, als sei es ein Problem.

It‘s the end of the world as we know it sangen R.E.M. im Jahr 1987. Ein Titel, der heute aktueller denn je klingt: Umweltverschmutzung, Verkehrsinfarkt, Klimawandel, schwer vermittelbare Politik – das Ende der Welt scheint nah und wenn wir so weiter machen, im- oder explodiert sie einfach und das war’s dann. Klar, diese Sorgen gab es schon früher, auch vor 1987, aber im Jahr 2019 häufen sich die Anzeichen dafür, dass wir aus der Nummer wirklich nicht mehr rauskommen.

Die Welt verbessern – aber wie?

Immerhin zeichnet sich nicht nur bei Fridays-for-Future Schülern, nein, in der gesamten Bevölkerung der Wille ab, etwas verändern zu wollen.

Da wären die Bürgerinitiativen, die weniger Verpackungsmüll fordern, Vereine, die den Autoverkehr in den Städten eindämmen wollen, Interessensgemeinschaften, die für mehr Radwege auf die Strasse gehen oder Menschen, die Garten auf Hausdächern anbringen, um Bienen wieder zum Nektar zu bringen: Es bewegt sich was im Volk.

Auf der anderen Seite: Politiker, Nationalstaaten, die EU. Auch hier besteht ein Interesse daran, den Weltuntergang abzuwenden. Mit Verbraucherempfehlungen, Aufklärungskampagnen oder gleich mit Verboten, die – bereits als Gesetz verabschiedet oder noch in der Diskussion – dabei helfen sollen, die Menschen zur Vernunft zu bringen: Das Verbot von Strohhalmen aus Kunststoff, zum Beispiel, damit weniger davon nach einmaliger Nutzung im Müll oder im Meer landet. Das Verbot von Autofahrten in Innenstädten, damit die Luft in den Städten endlich besser wird. Oder das Verbot von Kurzstreckenflügen, um das Klima zu retten.

Ob Druck von oben hilft, darüber läßt sich streiten, aber die eigentliche Message scheint auch so bei vielen Menschen angekommen zu sein. Jeder Einzelne kann zumindest mithelfen, die Misere abzuwenden. Mit Eigeninitiative und etwas Verzicht wären wir doch eigentlich auf einem guten Weg, die Welt nicht völlig ins Verderben zu reiten. Das Leben geht schließlich auch ohne Wattestäbchen aus Plastik weiter, ohne Flugreisen in den Urlaub und ohne unsinnige Autofahrten. Denn viele Strecken, um hier mal stehen zu bleiben, ließen sich ja auch mit dem Fahrrad zurücklegen. Womit wir beim Thema wären.

Cargobike – Heilsbringer im Verkehrswesen?
Zwei Alternativen zum Auto. Und ein paar Vorhängeschlösser.

Die Suche nach Lösungen zu weniger lokalen Emissionen in der City und weniger Verkehrsaufkommen, sprich nach umweltfreundlichen Alternativen zum Auto hat ein noch nie dagewesenes Interesse an Fahrrädern im Allgemeinen und Lastenfahrrädern im Besonderen entfacht. Was früher maximal als Transportmittel für Bäckereien oder Dritte-Welt-Läden durchging, ist plötzlich ein heißes Thema auf der verkehrspolitischen Agenda. Dabei flammt Lastenradfahren nicht etwa als kurzlebiges Hobby von Lifestyle-Influencern auf, das wie ein Fashion-Statement in Hochglanzmagazinen gefeiert wird: Es ist vielmehr eine sozio-ökonomische und -ökologische Notwendigkeit geworden. Es ist weit mehr als ein beliebtes Kita- und Supermarktshuttle: Jungfamilien können davon profitieren, Handwerker, Logistikunternehmen und viele mehr. Fragt sich, warum wir nicht schon früher darauf gekommen sind. Achja, weil das Auto ja immer so komfortabel war.

Noch ein Fahrrad? Ja!

Gegenwärtig ist das Auto ja aber der Buhmann und ein Umdenken und Umlenken nicht nur hip, sondern auch notwendig geworden. Doch endet dieses Umdenken bekanntlich oft genau dann, wenn es einem persönlich ans Portemonnaie geht. Zum eigenen Rad noch ein Cargobike kaufen? Viel zu teuer!

Einmal ordentlich Cash! E-Lastenräder sind nicht billig. Es sei denn, man wohnt im Dunstkreis der Grenzwertüberschreitung. Dann hilft der Staat mit einer Finanzspritze.

In der Tat ist ein so ein Rad mit erhöhter Ladekapazität keine kleine Investition. Doch auch hier hat sich was getan, einige Länder und Kommunen greifen den Bürgern mit der ‚staatlichen Förderung für elektrisch unterstützte Lastenräder‘ unter die Arme. Sie trägt dazu bei, dass die finanzielle Hemmschwelle beim Kauf eines E-Lastenrads um bis zu einen vierstelligen Euro-Bereich sinken kann. Wer einen Antrag stellt, muss sich zwar auf einen etwas bürokatischen, zeitraubenden Akt einlassen, aber es lohnt sich.

Denn so wird für viele Interessenten ein Grund mehr geschaffen, sich beim Händler ein Angebot einzuholen und abzuwägen, ob so etwas als Auto-Ersatz, oder zumindest als Auto-Ergänzung Sinn ergibt. Die Nachfrage ist in letzter Zeit jedenfalls gewachsen und die Lieferzeiten einiger bekannter Hersteller wie Bakfiets.nl sind in den letzten Wochen regelrecht in die Höhe geschossen. Wer ein Rad des ebenfalls holländischen Herstellers Urban Arrow im Frühjahr 2019 bestellt hätte, bekäme es frühestens im Oktober desselben Jahres geliefert. Uff!

So oder so: Die Vorzüge des Lastenrads liegen im urbanen Umfeld, nicht nur für’s Klima, auf der Hand. Die Parkplatzsuche gestaltet sich wesentlich angenehmer, ein Rad ist im Unterhalt deutlich günstiger und abgesehen vom gesundheitlichen Effekt auf den Fahrer und dem Spassfaktor für mitfahrende Kinder, sind kurze Strecken innerhalb der Stadtgrenzen sinnvoller, stressfreier und gemütlicher mit dem Cargobike abgewickelt.

Und die Pendler?

‚Kurze Strecken‘. ‚Gemütlich‘. ‚Stressfrei‘. Stichworte, die vielen Berufspendlern, insbesondere die mit Familie, bitter aufstoßen dürften, wenn man sie bitten würde, ihr mobiles Leben vom Auto auf das (E-Lasten)Rad zu übertragen. Wer täglich, bei Wind und Wetter, mehrere Kilometer auf dem Rad absolvieren soll, hat schnell nicht nur die Nase voll von zugeparkten Radwegen, witterungsbedingten Erkältungen und unberechenbaren Autofahrern, sondern auch vom Schneckentempo des eigenen Rads. 20 km/h schafft man mit einem herkömmlichen Lastenrad vielleicht noch im Schnitt auf eher abschüssigen Strecken, mit dem elektrifizierten Cargobike geht es auch schonmal konstant auf die 25 zu. Aber das ist ist in der Regel noch zu langsam, um mit dem Auto mithalten zu können. Das muss zwar auch durch den innerstädtischen Stau, aber auf freier Strecke prescht es uneinholbar mit voller Fahrt voraus, mit 50, 70, 100 oder mehr Kilometern pro Stunde.

Quo vadis schnelles Lastenrad?

Doch es existiert, zumindest auf überschaubaren Distanzen, eine Lösung für dieses Problem – Kinder, Fracht und sich selbst verhältnismäßig schnell von A nach B zu bringen. Ein schnelles Lastenrad. Genauer gesagt: das S-Pedelec Lastenrad. Wenige Hersteller bieten diese Kombination aus Frachtraum und Geschwindigkeitsboost bisher an, einer davon ist Riese & Müller. Load und Packster heissen die beiden Modelle, die in vielfältigen Varianten und Längen angeboten werden und ich bin so eins gefahren: Das Packster 60 Touring HS.

Das Packster Touring HS.

Testradpreis: 5.998,60 Euro (Basis ab 5.199 €). Dafür bekommt man eine im Lastenradbereich durchschnittlich dimensionierte Ladefläche mit Unterbringungsmöglichkeiten für zwei Kinder, einen 350 Watt starken, mittig angebrachten Bosch Performance Speed Motor, einen 500 Wh starken Akku, ein Regenverdeck, ein elektrisches Signalhorn, einen Rückspiegel links, einen belastbaren Gepäckträger und gleich mehrere natürliche Feinde: das Wetter, Scherben auf der Strasse, Autofahrer und last but not least: Die Gesetzgebung.

Aufgebaut wurde das Packster bei e-motion E-Bike World in Düsseldorf.
S wie Sonderbehandlung dank F wie Fahrverbot

Kurzer Exkurs: S-Pedelec Fahrer führen in Deutschland, nein in der gesamten EU ein Schattendasein. Während die klugen Eidgenossen in der Schweiz das S-Pedelec ganz generell als nahezu gleichberechtigt mit den normalen (E-)Bikes einstufen und nicht mit Regeln und Verboten überhäufen, wird es hierzulande als Kleinkraftfahrzeug geführt und damit vom Start weg Mitglied einer ganz anderen Fahrezeuggattung. Das bedeutet: massive Einschränkungen im Alltag, die dazu führen, das S-Pedelec Fahrer nur einen kleinen elitären Kreis bilden, der einen geringen prozentualen Anteil am Gesamtmarkt einnimmt. Die Einstiegshürden in den Club der schnellen Radler sind nicht gerade unerheblich. Hier die wichtigsten drei:

  1. Helmpflicht (sicherlich eine gute Entscheidung, aber welche Norm der Helm erfüllen soll, ist noch nicht eindeutig geklärt).
  2. Versicherungspflicht. Wäre auch noch zu stemmen. Kostet aber Geld (35-50 €/Jahr) und Aufwand (Strassenverkehrsamt). Zu guter letzt steht dann noch der eigentliche Knockout für das S-Pedelec im Gesetzbuch:
  3. Straßenpflicht. Heißt: der Radweg ist tabu. Und das, obwohl S-Pedelecs realistisch betrachtet in der Spitze lediglich 10 km/h schneller sind als herkömmliche E-Radler und im Alltag mit dem Rest des Verkehrsteilnehmerfeld mitschwimmen. Die oft zitierten 45 km/h erreichen nur Radler mit strammen Waden und ordentlich Ausdauer – auf freier Bahn. Sicher, auch hier existieren Rowdies, die mit unangepasster Geschwingkeit und halsbrecherischen Fahrmanövern für Unsicherheit sorgen. Aber das dürften nur einige wenige sein. Dennoch liegt hier das größte Problem der Gesetzgebung: Mit einem Mal gleich alle S-Pedelc Besitzer auf die Strasse zu zwingen ist in meinen Augen eine Form von Überregulierung, die die Hoffnungen, die ins schnelle E-Bike gesetzt werden können, im Keim erstickt. / Exkurs Ende
Das Fahrrad
Immer schön sauber bleiben.
Mit dem Packster kein Problem dank lokal emissionsfreier Fahrt.

Der Erstkontakt fand bei e-motion Technologies in Düsseldorf statt, wo das Testrad aufgebaut worden war. Während die aufgeräumte, fast nüchterne Optik des Rads auf Anhieb gefiel, gestalteten sich die ersten Meter auf dem Turbo-Boost Packster etwas ungewohnt. Ich wackelte beim etwas zu zärtlichen Tritt in die Pedale noch mit dem Lenker, musste die Ideallinie suchen, ein Gleichgewicht finden, versuchte hier einer Pfütze auszuweichen und da der Bordsteinkante. Das Rad forderte mich heraus, während meine innere Mitte auf einem dick bereiften Drahtseil balancierte. Ich bemühte mich erstmal, mit beiden Füßen auf den Boden zu kommen und wieder sicher zu stehen. Für Außenstehende sicher ein amüsanter Anblick.

Klingt komisch, aber das muss so sein. Diese ersten Metern sind für jeden, der die Umstellung auf ein Lastenrad vornimmt, immer erstmal Neuland. Da helfen auch keine einweisenden Worte, da muss man durch. Aber der Mensch ist – auch auf dem Rad – ein Gewohnheitstier. Die Lernkurve beim Packster geht jedenfalls schnell steil nach oben. Schon wenige Minuten später sitze ich so sicher und souverän auf dem Packster, als hätte ich nie etwas anderes bewegt. Also steuere ich das Rad und mich durch den Nieselregen ins Zentrum der Landeshauptstadt. Und gleich eins vorweg: die Leistungsentfaltung, der Geschwindigkeitsschub, das Fahrerlebnis, das mir das Packster HS offenbarte, ist mit nichts zu vergleichen, was ich vorher an (Lasten-)Fahrrädern bewegen durfte und es hat mich womöglich für alle Zeit versaut. Es war die helle Freude, sich mit der intensiven Unterstützung des Elektromotors, mal leer, mal vollbeladen von A nach B zu bewegen. Apropos:

Ein Platz für bis zu zwei Kinder.
Transport und Transit

Mit Kindern? Kein Problem. Wer mit Nachwuchs unterwegs sein möchte, hat im Packster Platz für deren zwei. Während mein Sohn und ein Großeinkauf im Supermarkt locker ins Ladeabteil passten, fand das Packster den besten Parkplatz, den man sich vorstellen konnte: direkt vor‘m Laden. Kostenlos. Das Auto habe ich in diesem Moment keine Sekunde vermisst. Dennoch begann schon nach dem Einkauf die Misere, in die die Gesetzgeber das Packster HS manövriert haben:

Steht ein Packster vor‘m Discounter.
Vor ein paar Jahren noch undenkbar: Mann mit Kind und Einkauf. Auf einem Fahrrad!

Denn sollte ich derart beladen wirklich die Radwege meiden, so wie es für S-Pedelecs vorgeschrieben ist? Unmöglich. Das Tempo pendelte sich bei diesen Fahrten ja ohnehin unterhalb von 25 km/h ein. Mehr möchte man sich, dem Kind und der Sahne in der Einkaufstüte gar nicht zumuten und allein schon aus gesundheitlichen Gründen sollte das Risiko für Kind und Fahrer so klein wie möglich gehalten werden. Dank angepasster Fahrweise sah ich auch kein Problem in meinem leichten Gesetzesbruch und riskierte lieber einen Strafzettel auf dem Radweg als eine Karambolage mit überholenden Autos, LKWs oder Motorrädern auf der Strasse.

Tags drauf die nächste Herausforderung: Erholungsgebiete. Rein rechtlich betrachtet ist eine Fahrt mit dem S-Pedelec auch in öffentlichen Parks und auf ähnlichen Flächen verboten, während E-Bikes dort freie Fahrt genießen. Aber deswegen meinem Kind und mir dieses Erlebnis verwehren, Enten und Blümchen aus der Nähe zu betrachten, nur weil der Motor theoretisch höhere Geschwindigkeiten erlaubte und unser Rad ein Kennzeichen am Heck besaß? Come on!

Klimaschutz kennt keine Grenzen? Doch! Für ein S-Pedelec beginnt die Grenze rechtlich betrachtet am Eingang zum Park.

Auch hier hätte ich lieber eine Verwarnung der Ordnungshüter in Kauf genommen, als einen Bogen um den Park zu machen. Was nach zivilem Ungehorsam klingt, ist vielmehr bewußtes Ignorieren einer am Menschen vorbei gestalteten Gesetzgebung. Habe ich mich dabei wohl gefühlt? Natürlich nicht.

Eine Fahrt mit dem Packster HS entlang der Rheinauen. Sieht schön aus. Wäre aber rechtlich betrachtet auch nicht legal.

Hier wird eine große Chance verspielt, Mobilität neu aufzustellen. Es ist gerade der große Spagat zwischen Fast Lane und Slow Motion, den ein S-Lastenrad theoretisch meistern kann, das ist es, was es – auf dem Papier – so wahnsinnig interessant macht. Es kann in Schleichgeschwindigkeit lautlos durch Parkanlagen gleiten ohne dabei die Enten zu wecken – nur um wenige Momente später mit Glücksgefühlen freisetzenden 38 km/h auf der asphaltierten Strasse zum nächsten beruflichen Termin zu brausen. Und wie! Kette rechts und Schubrakete! Schaltung und Motor müssen beim Beschleunigen mächtig ackern, aber sie folgen bereitwillig den Impulsen des Farhers. Klack, der nächste Gang ist eingelegt, Klack! und noch einer. Blick zurück in den sinnvollen Rückspiegel. Da kommt keiner. Doch, da vorne: Eine Ampel. Sie wechselt auf rot. Ab in die Eisen! Stehen geblieben! Gut zu wissen: die hydraulischen Scheibenbremsen stoppen akkurat und zuverlässig. Jedes anderes Bemssystem wäre hier überfordert (die vom Gesetzgeber geforderte Hupe nutze ich kaum, sie klingt zugebenermaßen auch wie ein schlechter Witz, eine laute Klingel hätte ausgereicht).

Damit sie auch morgen noch kräftig zupacken können. Scheibenbremsen.
Sehr gute Scheibenbremsen.

Augen wieder nach vorn. Wieder wird hochbeschleunigt. Der Fahrtwind bahnt sich seinen Weg durch die Lüftungsschlitze des Radhelms. Der Blick ist geradeaus gerichtet, der Geist hellwach, der Weg frei. Das ist modernes Radfahren. So sollte es sein.

Sicher, das Fahrverhalten des Packster ist bei knapp unter 40 Sachen ein anderes. Immer noch relativ gutmütig, aber Obacht!, leichte Bewegungen am Lenker haben jetzt größere Auswirkungen auf die Spurführung. Da gilt es, bei etwas über 40 km/h und trotz angespannter Beinarbeit mit Feingefühl unterwegs zu sein.

Schubrakete! Eine Extremsituation, wie gemacht für das Packster Touring HS.

Feingefühl, dass die Ingenieure beim hier mitgelieferten Regenverdeck des Packster etwas vermissen ließen. Der umständlich zu montierende und seltsam zu bedienende Baldachin für Insassen und Ladung gewinnt leider keine Preise für seine Praktikabilität, im Gegenteil. Er nervte im täglichen Einsatz eher, als nützlich zu sein. Immerhin: Der rote Stoff war ein willkommener Farbkleks an dem sonst unbunten Rad und ich habe das gute Gefühl, dass der Hersteller hier nochmal nachbessern dürfte (das Regenverdeck des jüngeren Load 75 ist zum Beispiel schon deutlich besser ausgearbeitet).

Regenverdeck. Hält den Regen ab. Das war‘s aber auch schon.
Weite Strecken

Während des Testzeitraums bin ich natürlich auch außerstädtisch unterwegs gewesen und einmal von Düsseldorf nach Köln und wieder zurück gefahren. Auch diese Strecke war nur im „ich-radle-(zwangsläufig)-auch-auf-Radwegen“-Stil zu absolvieren. Anders wäre ich nicht ans Ziel gelangt. Immerhin: eine volle Batterie reichte aus, um nach 46 km kommod im Zentrum von Köln zu landen. Mit genau einem Kilometern Restreichweite.

Punktlandung in Köln. Jetzt aber ab an die Steckdose!

Nachdem der Akku in der Domstadt zwei Stunden am Strom laden konnte (und drei von vier Balken wieder leuchteten), ging es für mich, das Rad und den Akku wieder zurück nach Düsseldorf. Dabei musste ich mich komplett auf den Eco-Modus beschränken, sonst wäre ich früh ohne Unterstützung unterwegs gewesen. Wer also häufig solch lange Strecken fährt, ist mit dem doppelten Akku-Pack des Dual Battery-Systems und 1000 Wh sicher besser beraten.

Und nun? Eine andere Brücke suchen? Wirklich?

Es ging aber natürlich aber auch ganz ohne Schub aus dem Elektromotor. Quasi im Packster Pur Modus. Ich probierte das auf dem Weg über die Rheinkniebrücke aus, wo der Autoverkehr mit bis zu 80 Sachen auf die andere Flussseite rauscht. Auch hier bin ich mit dem Packster HS theoretisch nicht erwünscht. Ich hätte also eigentlich eine andere Brücke wählen müssen. Aber ich wage mich erneut in die gesetzliche Grauzone, lasse den Motor dafür deaktiviert. Mit den per Muskelkraft erreichten etwas über 20 km/h komme ich recht sozialverträglich voran. Klar, das geht auf Dauer auf die Beine, aber immerhin: Die bei E-Autos so berühmte Reichweitenangst ist – etwas Ausdauer und leichte Ladung vorausgesetzt – bei diesem Rad kein Thema.

Diesen Blick auf die Fleher-Brücke bekommt man nicht, wenn man sich mit dem S-Pedelec an die Regeln hält. Anderseits gibt es auch keinen anderen Weg, um über den Rhein zu kommen.
Das gleiche gilt für dieses Bild.
Aber wie soll man sonst mit dem S-Pedelec über den Rhein kommen?

So bleibt am Ende ein sehr positiver Eindruck des Packster zurück. Es ist ein agiles und solides Lastenrad, das einstecken und zupacken kann, das einen sicher A nach B bringt, nicht nur von Stadtviertel zu Stadtviertel, sondern auch von Stadt zu Stadt. Sicher, einige Cargobikes eignen sich womöglich noch besser für den Kindertransport, andere haben ein faltbares Ladeabteil oder sind vollgefedert, wieder andere fahren mit Holzkiste und etwas mehr Charme durch die Welt, aber in Summe ist das Packster ein durch und durch gelungenes Angebot. Eines, das vor allem mit dem stärkeren Motor seine Vorzüge als Problemlöser vollends ausspielen könnte – wenn man es nur ließe.

So bleibt am Ende nur ein Wunsch, und der geht an den Gesetzgeber: überdenkt die Regelung für die schnellen Pedelecs. Fahrräder wie das Packster mit S-Antrieb sollten nicht in die Ecke bzw. zwangsweise auf die Strasse getrieben werden. Es ist völlig unbestritten, dass sich niemand eine Reglementierung durch Tempolimits und Überwachung auf Radwegen wünscht. Aber wäre das nicht konsequenter, als die Hoffnung, die im S-Antrieb steckt, schon im Kein zu ersticken? Die schnellen E-Bikes sollten in meinen Augen deutlich mehr Freiheiten erhalten. Sonst wird zumindest dieser Teil der Mobilitätswende weiterhin ausfallen.

Wenn, wie in der Schweiz, wenigstens der Radweg für S-Pedelec Fahrer mit angepasster Geschwindigkeit frei wäre, hätte man schon viel erreicht. Klar, wildgewordene Rowdies, die sich nicht an die Regeln halten, muss man dann per Gesetz in die Schranken weisen. Aber dafür können alle anderen deutlich unbefangener mit den S-Pedelecs und S-Cargobikes umgehen. Handwerker kommen pünktlich zum Termin, Eltern können ihre Kinder zur Kita bringen, ohne im Anschluss zu spät zur Arbeit zu kommen. Das Klima würde profitieren und es bestünde zumindest die Hoffnung, den Gesamtverkehr zumindest in Teilen zu entlasten. Ob das das Ende der Welt, wie wir sie kennen, abwenden würde? Zumindest ein bisschen?

Schön wär‘s.

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Redaktioneller Zusatz: Ich habe das Packster Touring HS auf Eigeninitiative bei Riese & Müller angefragt und für mehrere Wochen zur freien Verfügung bereitgestellt bekommen.

Weiterführend Links: Das Thema Rad-Infrastruktur greifen wir dann in einem anderen Text auf. Die kontroverse Diskussion dieses Thema swird dafür vielfach im Netz fortgeführt. Ich verweise auf den folgenden Text, der sich zwar initial gegen die S-Pedelecs wendet, aber aufschlussreiche Kommentare beinhaltet, die die Problematik anschaulich vertiefen und Für und Wider abwägen: https://www.adfc-diepholz.de/laestige-elektro-kleinkraftraeder/

Firmengründer Markus Riese im Gespräch u.a. zu S-Pedelecs: https://edison.handelsblatt.com/erleben/riese-und-mueller-kreativer-querlenker/23849116.html

https://edison.handelsblatt.com/erleben/riese-und-mueller-kreativer-querlenker/23849116.html

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