[Werbung]. Werbung?

[Meinung]

Meine digitale Reichweite ist aktuell doch recht überschaubar. Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich 3.916 Facebook-Follower und 2.048 Instagram-Follower. Twitter? Keine Ahnung, da bin ich raus. Die Zugriffszahlen auf meine Website kenne ich nicht. Aber aktuell liegen sie womöglich bei einer Handvoll pro Tag.

Wenn Ihr das lest, gehört Ihr also zu einem sehr exklusiven Kreis. Man kennt mein Gesicht aus dem TV, aber meine Selbstvermarktung ist noch ausbaufähig. Daher liegen auch Anfragen zu werblichen Kooperationen bei genau Null. Ich komme ganz gut klar damit. Sicher würde ich bei einer größeren digitalen Beliebtheit Werbung für bunte Socken, zuckerfreie Limonade oder Designermöbel machen. Aber das passiert derzeit einfach nicht. Ein Vorteil ist: mein Leben unter dem digitalen Publicity-Radar bringt mich nicht in die Bredouille, über ein Werbeangebot aus dem Automobilsektor nachzudenken.

Holen wir kurz etwas aus: Influencer sind ja nun schon lange die neuen Werbegesichter. Nicht mehr Boris Becker oder Verena Pooth. Sondern Instagrammer mit über ein paar hundert tausend Abos. Seit Werbung dort und woanders im Netz als solche gekennzeichnet werden muss, amüsiere ich mich regelmäßig über die Blüten dieser Kooperationen. Junge Schauspielerinnen halten täglich irgendeinen trendigen Tee in Ihre Instagram Stories. Moderatorenkollegen füttern ihren Feed öffentlichkeitswirksam mit Bildern für das Tourismusbüro eines Schweizer Landstrichs. Andere posten Selfies für Produkte aus dem Haus Procter&Gamble.

Und dann gibt es da die Kollegen, die schon lange vor dem Beginn des Social Advertisings im Automobilbereich durchgestartet sind. Menschen vom Schlage eines JP Kraemer oder Matthias Malmedie. Sie haben im TV schon recht früh begonnen, der eine mit einer Dokusoap zum Thema Tuning. Der andere mit dem RTL2-Autoformat Grip. Und seit es YouTube, Facebook und Instagram gibt, verdienen sie sich ihre Klicks und Likes nicht etwas mit Beauty-Produkten oder iPhone Unboxings – sondern folgerichtig mit Autos.

Weil sie das sehr erfolgreich tun, wurden Kraemer und Malmedie jüngst von Mercedes mit einem ordentlichen Klecks Marketingbudget geadelt. Herausgekommen ist gleich eine ganze Youtube-Kampagne, den beiden wie auf den Leib geschneidert. Ich staunte nicht schlecht, als ich das zum ersten Mal sah.

Dieser Beinahe-Bruderkuss dürfte mit mehr als Hartgeld bezahlt worden sein.

Mittlerweile sind es ein paar Videos geworden. Und die Reichweite ist: unfassbar.

„1 Mio. Aufrufe sind geknackt, Jungs. Da hinten könnte Ihr Euer Gehalt abholen.“

 

Mein Respekt vor dieser Leistung. Die Clips gehen steil. Mercedes freut sich. Malmedie freut sich. JP freut sich. Klugerweise scheinen sich dabei weder JP noch Malmedie exklusiv an die Marke Mercedes zu binden. Sie machen es auch für die Konkurrenz. Das ist aus kaufmännischer Sicht clever. Aber ist es glaubwürdig?

Malmedie macht Werbung. Auch für VW.

Die Verantwortlichen bei  den Herstellern werden sich über die Zugriffszahlen, die die Clips im Netz erreichen, jedenfalls freuen. Das Influencer-Marketing generiert ordentlich Reichweite in genau auserkorenen Zielgruppen. Das alles ist günstiger als eine Runde Formel 1 und honigsüßer als eine Pressemitteilung zum Diesel-Skandal.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls froh, dass die anderen bereitwillig die Hand aufhalten, um von den Marketingexperten des automobilproduzierenden Gewerbes ins rechte Licht gerückt zu werden. Andere, so wie jüngst zum Beispiel auch Vox-Kollegin Panagiota Petridou.

Ja, auch sie machte jüngst einen Ausflug auf die Gehaltsliste eines Automobilherstellers, in diesem Fall auf die von Ford Deutschland. Der Clip, in dem sie die Vorzüge des Ford Ecosport bewirbt, ist dabei aber so berauschend wie gestreckter Ouzo und so authentisch wie einmal Gyros ohne Zwiebeln.

Er: „Hier, Ihr Honorar.“ Sie: „Brauchen Sie eine Quittung?“

Uninspirierter, gekaufter Müll, der hier über den Bildschirm flackert. Aber es geht noch besser.

Denn den Vogel abgeschossen hat ein anderer. Det. Det Müller von Grip. Der macht hier nicht etwa Publicity für ein Gebrauchtwagenportal – sondern für den LKW-Hersteller Renault Trucks!

Mit dem Clip hat Det mich überzeugt. Ich hole mir jetzt auch einen LKW.

Wenn ich sowas an den Haaren herbeigezogenes sehe, entlastet es mich förmlich, bisher kein Angebot bekommen zu haben, um für Daimler, Opel, VW, Ford oder Iveco Werbung machen zu müssen. Denn der Punkt ist: ich hab ja einen Job. Ich darf Woche für Woche Sonntags nachmittags bei Vox, etwas tun, das in der Regel ordentlich bezahlt ist. Nach derzeitigem Stand sollte es jedenfalls reichen, um meine Familie zu versorgen.

Apropos: ja, richtig gelesen, Familie. Ich bin neulich Vater geworden. Das habe ich gar nicht so sehr öffentlich ausgebreitet, wie beispielsweise Autobahnpolizist Erdogan Atalay.

Es kann so schnell passieren.

Was folgte: ich hab mir einen Benz zugelegt. Wie? Einen Benz? Macht er jetzt doch Werbung? Mehr dazu hier:

http://www.andreasjancke.de/warum-ich-jetzt-einen-benz-fahre-i/

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