Ein Jahr SUV – das GLC Experiment | Teil 1

Warum ich 2018 einen Benz fahre? Die Geschichte geht so:

Ich brauchte ein Auto.

Ungewöhnlich eigentlich, so ein Satz, aus dem Mund eines Automagazin-Moderators, schließlich darf ich regelmäßig neue Autos bewegen. Manchmal steht sogar eins vor meiner Tür. Für ein paar Tage. Autofahren und darüber reden ist mein Job. Ich sitz also schonmal in dem oder anderen Auto. Nur geschenkt bekomme auch ich sie nicht.

Auch nicht, seit ich Anfang des Jahres Vater geworden bin. Und Väter sind eine wichtige Zielgruppe. Kaum steht der Nachwuchs ins Haus, beschäftigt man sich als Vater auf einmal ganz anders mit dem Thema Auto, liest sich quer durch Mami- und Papi-Blogs. Platzverhältnisse und Variabilität werden wichtiger. Es geht um Kosten. Und um die Sicherheit. Früher habe ich den Kindersitztest in der ADAC Motorwelt nie gelesen. Jetzt google ich im Internet nach den Ergebnissen.

Am wichtigsten ist aber natürlich: das Auto selbst. Nun musste ich endlich eins …, naja: b e s i t z e n. Ein schlimmes Wort, für jemanden, der maximal zwei Tage bis zwei Wochen an Automodelle gebunden ist.

Privat einen Pkw zu besitzen war in letzter Zeit auch kein Thema in meinem Leben. Ich wohne mitten in der Düsseldorfer Innenstadt. Dort braucht man eigentlich kein Auto. Den nächsten Supermarkt erreiche ich ohne Fahrrad in 5 Minuten und es existieren zig Möglichkeiten, alternativ von A nach B zu kommen. Meistens reichen zwei Beine. Die paar Testwagen, die immer wieder mal vor der Tür standen, standen auch die meiste Zeit rum. Wie das mit Autos eben so ist. Aber jetzt reichte das nicht mehr mit den automobilen On-/Off-Beziehungen. Ein Auto für länger musste her. Für wenn das Kind zum Arzt muss, nicht einschlafen kann, Urlaub ansteht, oder eine Fahrt zu den Großeltern. Wenn es in den Kindergarten muss, oder zur Krabbelgruppe. Ein Auto musste her. Und nein, kein Roadster, kein Coupé und auch kein flammenspuckender V8. Das Motto dieser Lebensübung lautete „entscheide Dich für ein Familienauto. Sei rational. Entscheide bedacht. Aber entscheide Dich schnell“.

Familienauto Defender V8? Nein. Leider nicht. Leider überhaupt nicht.

Ich hätte nicht gedacht, dass mir dieser Auftrag soviel Kopfzerbrechen bereiten würde.

Nix gegen Kangoo, Touran und Fabia Combi, aber die spielen bei mir in derselben Liga des Familiengrauens wie Sonnenblenden im Bärchenlook. Diese Dinger, die im Winnie-der-Pooh-Design mit Saugnäpfen an den hinteren Fensterscheiben kleben, damit der überversorgte Nachwuchs nicht geblendet wird. Ich muss an Erbrochenes auf Stoffsitzen im Dekor „Roncalli“ denken, oder an nicht schliessende, riesige Heckklappen, weil die Räder des Kinderwagens wieder im Weg waren. Horror!

Nun erwartete ich mit meiner Partnerin ja aber erstmal nur ein Kind. Das erleichterte die Aufgabe, weil es kein VW Transporter mit Schiebetüren und Cargo-Abteil werden musste, wegen des Doppelkinderwagens.

Die Dame des Hauses sorgte für weitere Zuspitzung des Fahrzeugprofils:

„Nein, kein Seat. Ein Skoda muss es auch nicht sein. Auch kein Citroen.“ Nicken von meiner Seite. Dann aber der weibliche Konter: „Können wir vielleicht einen Jeep Grand Cherokee nehmen. Oder einen X5?“

„Hä?“ Alle Alarmsirenen schrillten.

„Nein“ lautete meine seriöseste Antwort. „Diese dicken SUV verbrauchen zuviel … von allem. Sprit, Platz, Nerven. Wie sollen wir damit je einen Parkplatz finden?“

Wir einigten uns trotzdem auf ein SUV. Die sind ja gerade so wahnsinnig in Mode. Für mich Gelegenheit, dem Trend mal dauerhaft auf den Zahn zu fühlen. Ein Mercedes GLC sollte es sein, weltweit gerade eines der angesagtesten SUV. Modelle der Mitbewerber kamen aber sowieso nicht in Frage. Ein GLC also. Ich erinnerte mich daran, dass ich in meinem Fahrbericht für Vox auto mobil nicht viel Gefallen an dem Wagen gefunden und das Auto als „rundgelutschtes Etwas“ bezeichnet hatte. Aber das galt damals für die Rentnerversion. Mittlerweile finde ich das Design ganz in Ordnung, vor allem, weil das Design mit dem AMG-Optik Paket deutlich erträglicher wird. Blieben nur zwei Dinge, die mir schlaflose Nächte bereiteten: wie soll man den bezahlen (der Wagen pendelte in meinen Konfigurationen immerhin um realistische 68.000 EUR herum)? Und: musste ich den dann wirklich länger als zwei Wochen fahren? Und würde danach keinen anderen bekommen? Wie ich das vom Job gewohnt war? Kein Facelift, wenn es soweit sein sollte? Kein Upgrade, keine Modellpflege, kein Lifecycle-Improvement nach drei Jahren Nutzung? Echte Luxusprobleme, aber für mich in dem Moment schwer vorstellbar.

Ich fand eine Lösung. Wir wurde ein Verkäufer von Mercedes-Benz Automobilen in Köln empfohlen.

Links Neuwagenkunde. Rechts Neumannlars.

Nach einem Anruf in der Domstadt war klar: Herr Neumann würde sich darum kümmern, dieses Dilemma irgendwie erträglich zu gestalten. Meine trivialen Ängste um das „Kaufen-für-immer“ und die „Modellpflege-Enthaltsamkeit“ sollten unbegründet sein.

Er organisierte mir einen Plan, der es mir erlaubte, einen GLC zu konfigurieren, den ich gegen Zahlung einer Leasingrate zwölf Monate lang fahren konnte. Nein, die Leasingrate war kein echtes Schnäppchen (wirklich nicht), und nein, Steuer und Versicherung waren auch nicht inklu, aber es war eine gute Möglichkeit, mal 365 Tage einen Benz zu fahren, ohne mich an die Marke verkaufen zu müssen.

Der Herr Verkäufer hat alles dran gesetzt, um mein im Oktober konfiguriertes Fahrzeug noch im Dezember auf die Räder gestellt zu bekommen. Rekord. Kurz vor der Geburt des Kindes Anfang Januar wäre ich also dauerhaft mobil, mit Platz für Kinderwagen, Kuscheldecken und Isofix-Anschluss. Bei den Lieferzeiten für GLCs ein echtes Kunststück. Noch dazu weil ich kurz vor Schließung der Auswahllokale auf die großen AMG Felgen in meinem Sportpaket BESTAND (obwohl die nicht mehr lieferbar waren) und noch von uni- auf metallic-Lack umschwenkte. Was man so macht, wenn die Deadline für die Konfiguration eigentlich schon durch ist. Ich schulde dem Disponenten auf jeden Fall noch die Reinigung seines durchgeschwitzten Hemds. Und eine Familienpackung merci. Er hat diese Sonderwünsche alle noch eingetütet. Respekt.

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Sternstunde?

Anfang Dezember war es dann soweit. Das Auto, mein neues Auto! hatte den Status vom-Band-gerollt und abholbereit erhalten. Damit es aber nicht auch noch für über 700 EUR zu mir nach Düsseldorf rollen musste, hatte ich mich in weiser Voraussicht für eine Werksabholung entschieden. Das hatte gleich zwei Vorzüge: ich kam mal wieder raus in die weite Welt. In diesem Fall nach Bremen. Der andere: ich konnte schon wieder ein anderes Auto fahren, und zwar, um nach Bremen zu kommen. Das Schicksal brachte mir einen Oneway-Ticket-Touran von Sixt. Kein Scherz! Der Sixt-Mann am Schalter, der mich und meinen Werdegang offenbar kannte, kommentierte dies ohne viel Mitleid und mit einem Anflug von Sarkasmus: „in der Sendung fährst Du doch schon richtig geile Autos, warum nicht auch mal einen Touran!“

1:0 für den Sixt-Mann.

Nach vier Stunden Fahrt gen Norden war mein Eindruck ungetrübt. Gar nicht so schlecht für eine Familienkutsche. Nicht großartig erwähnenswert, aber überhaupt nicht schlecht.

In Bremen angekommen, gab es kein allzugrosses Getue um meine Person. Ein kurzes „Hallo Herr Jancke, Sie machen ja so eine tolle Sendung, Mensch, da haben Sie sich ausgerechnet für unseren GLC entschieden? Klasse“, wäre runtergegangen wie Öl.

Aber das kam nicht, wieso auch, bin ja nicht Thomas Gottschalk. Also nur eine Unterschrift hier, eine da, noch eine, und noch eine, dort noch auf den Balken, hier ins Rechteck, darunter die Nutzung der MercedesMe Datenerfassung bestätigen und dort bitte noch einmal den Namen leserlich in Druckbuchstaben schreiben. LESERLICH! Danke das war es. Den Stift können Sie behalten.

Ich musste danach – um einen Stift mit Stern reicher – erstmal austreten und Luft holen. Auf der Kundentoilette, ja wo sonst, gab es eine Vorrichtung, um sich zu erleichtern und noch eine letzte Möglichkeit, sich nach dem Händewaschen mit dem Eau-de-Toilette von Mercedes Benz einzusprühen. Der Flakon hing diebstahlgesichert an der Wand gegenüber vom Waschbecken. Obwohl ich verdammt neugierig war, wie es riechen würde, erlag ich der Versuchung nicht.

Eau del’étoilette.

Es folgte ja auch keine Gala-Veranstaltung mit Küsschen-links-Küsschen-rechts, hier bitte Ihr Auto Herr Jancke!, bei der so ein Duft am Hals vielleicht sinnvoll gewesen wäre. Stattdessen wartete eine Gratis-Werkstour auf mich und ein Dutzend weiterer Abholer, die sich die 700 EUR sparen wollten.

Nach einer kurzen Gehirnwäsche per Image-Film im Kinosaal ging es mit dem Reisebus über das Gelände und später zu Fuß durch die Fabrikhallen der gigantischen Autofabrik an der Weser. Knapp zwei Stunden lang staunte ich mal wieder nicht schlecht, was es bedeutet, ein, nein: hunderte Fahrzeuge an einem Tag zusammen zu bauen. Das war nicht meine erste Fabrik-Tour, womöglich bereits meine achte, oder elfte. Aber es ist immer wieder aufs Neue beeindruckend, wie diese logistische Meisterleistung möglich gemacht wird, ein Auto mit all seinen zigtausend Teilen zusammenzukleistern, ohne dabei zu kleckern.

Selbstbeweihräucherung Marke Mercedes-Benz.

Respektvoll inspizierte ich die Arbeitsabläufe der Roboter, achtete darauf, weder von den ferngesteuerten Shuttles überfahren zu werden, noch den Anschluss an die Gruppe zu verlieren. Beim Durchschreiten der Fertigungslinien sah ich neben SL und C-Klassen auch GLC43 Varianten, die vom gleichen Band liefen und im Stand etwas mehr Fahrspass versprachen, als der von mir gewählte 250 CDI, der ja draussen auf mich warten würde. Dafür gab es auch ein paar abschreckendere Konfigurationen an den Bändern,  durchffallbraune GLC mit 17 Zoll Alus. Schlimm.

Als die Besichtigung zu Ende war und wir wieder das Besucherzentrum ansteuerten, verabschiedete der Werkstourführer uns nach 120 Minuten mit einem Diener, der aber keiner war – er sammelte lediglich die Kabel der Audioführer am ausgestreckten Arm ein und wünschte jedem viel Freude mit unseren Neuwagen.

Wieviel davon bei mir wirklich aufkam, als ich den Neuen zum ersten Mal erblickte, das erzähle ich in Teil 2:

Ein Jahr SUV – das GLC Experiment | Teil 2

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